Erdogan und der türkische Nationalismus

Der türkische Ministerpräsident Erdogan wurde am Sonntag zum dritten und letztmöglichen Mal zum Führer seiner Regierungspartei AKP gewählt. Vor 10000  Zuhörern im Saal und etlichen Tausend vor der Tür entwickelte er seine Visionen vom Kampf gegen das christliche Europa und entwickelte seine großtürkischen Machtträume.

Was den Aufbruch der Türkei nach Westen betrifft, so entwarf Erdogan eine Vision für das Jahr 2071: Dann nämlich jährt sich die Schlacht von Manzkert (Manzikert), in der die Türken das Byzantinische Reich entscheidend schlugen und ihre Landnahme im Westen begannen.

“Unser Vorbild ist Sultan Arp Arslan”, also der damals gegen die Christen siegreiche Kriegsherr, verkündete Erdogan und erntete begeisterten Applaus.

Der zweite Hauptaspekt seiner Rede war die Türkei als Vorbild und Führer der islamischen Welt.

Die  islamische Zeitung “Milat” brachte mit ihrer Schlagzeile die inbrünstigen Gefühle von Erdogans Anhängern am besten auf den Punkt: “Führer der Welt”, titelte sie über Erdogan – also nicht nur der islamischen Welt. Das Motto des Wahlkongresses war denn auch: “Große Türkei, große Macht”.

Dazu passt, das Erdogan 2014 in das Präsidentenamt überwechseln will. Am liebsten wäre er 2023 noch im Amt, wenn das Reich Atatürks 100 Jahre alt wird. Im Publikum saß übrigens Gerhard Schröder, der ja nicht nur Erdogan, sondern auch seinen Freund Putin zu den “lupenreinen Demokraten” zählt. Da kann Erdogan noch etwas abgucken.

Hierzu passt auch folgender Leserbrief (gefunden auf faz.net)

Von Mursi bis Schröder Zum Artikel

15 Roland Stadler (Trombone53) – 02.10.2012 12:16 Uhr

Der wahre Führer?

Die Rolle des großen Führers der islamischen Welt nahm Erdogan wahr, sein Outfit mit Scheitel und Schnauz, das bei Europäern eher negative Erinnerungen weckt, sowie sein Weltmachtgehabe und die klare Aversion gegen Juden, weckten frenetischen Beifall, auch wenn zahlreiche inhaftierte Journalisten fehlten.

Dann kam der Punkt, wo Europäer zusammenzucken müssten: Mit der Jahreszahl 2071 beschwor er die Jugend und erinnerte an die Schlacht von Manzikert, wo die Christen besiegt wurden. Nach diesen 1000 Jahren will er offensichtlich Europa in der muslimischen Hand wissen…

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