Der Streit um Mohammed: Abendländische und morgenländische Missverständnisse

Warum geraten Morgen- und Abendland bei gewissen Fragen immer wieder aneinander?

Es sind die unterschiedlichen regionalen Bräuche und Moralvorstellungen, mit denen wir uns offensichtlich das Leben schwer machen. Besonders kritisch wird die Situation, wenn Bibel oder Koran und Sunna  zur Begründung des Verhaltens oder der Einstellungen zitiert werden und damit zu Glaubensangelegenheiten erhoben werden.

Das fängt schon beim Fotografieren von Personen an. Während im Westen fotografierte Gruppen oft noch freundlich winken, kann man für dasselbe Verhalten im Orient wütende Drohungen ernten.  Während es in Moscheen keine Bilddarstellungen gibt, strotzen christliche Kirchen oft von Bildern. Der entblößte Jesus ist in Kirchen allgegenwärtig, er wird in bestimmten Gegenden sogar in Prozessionen herausgetragen oder hängt figürlich am Wegesrand. Mohammed hingegen ist wegen des Darstellungsverbotes weder innerhalb noch außerhalb von Moscheen sichtbar. Der Körper wird im Morgenland bei Frauen stark verhüllt, aber auch Männer beachten das Bekleidungsgebot. Im Westen gab und gibt es eine Kultur des Zeigens bis hin zu Freikörperkultur oder Striptease. Die Beispiele lassen sich noch erweitern.

Schwierig wird das christlich-islamische Verhältnis, wenn sich diese gegensätzlichen Kulturen berühren oder mischen. Besonders heikel wird die Angelegenheit, wenn eine Seite der anderen Vorschriften machen will oder sogar bei Nichtbeachtung mit heftigen Sanktionen droht. Wie kann das Dilemma gelöst werden? Friedrich dem Gr. wird der Satz “jeder soll nach seiner facon seelig werden” zugesprochen. Während der Grundsatz der freien Religionsausübung zumindest im Westen verbreitete Geltung hat, sind es gerade bestimmte Bräuche und Einstellungen, die Widerspruch hervorrufen. So verstoßen vorgeschriebene Verhüllungen nach westlicher Sicht gegen die Menschenwürde und die Gleichberechtigung. Zeichnungen von Mohammed und auch eine kritische Würdigung seiner Person (z.B. sein Sexualleben  mit seiner letzten Kind-Frau) sind nach westlichem Verständnis durch die Meinungs-und Pressefreiheit gewährleistet. Bilddarstellungen werden durch die Freiheit der Kunst ermöglicht, Wortbeiträge unterliegen der Meinungsfreiheit und der Freiheit von Forschung und Wissenschaft.
Einwanderer, die hier leben wollen, müssen diese Einstellungen achten und beachten, andernfalls ist kein gedeiliches Zusammenleben möglich. Insofern ist der Gedanke einer Leitkultur wichtig und richtig. Zu unserer Leitkultur gehört auch, dass Zeichnungen/Karrikaturen  von Mohammed nichts anstößiges haben, keine Beleidigung im strafrechtlichen Sinne darstellen und deshalb erlaubt sind. Wer sich durch die eigene Religion anders geleitet sieht, mag das für sich akzeptieren. Morddrohungen, die daraufhin ausgesprochen werden, sind dann allerdings eine schwere Straftat.

Religiöse Vorschriften (z.B. das Verbot der Darstellung einer Person) können nur für die Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft Bindungswirkung entfalten. Keinesfalls darf hingenommen werden, dass Fanatiker diese Haltung auch Andersdenkenden aufzwingen.

Daraus folgt allerdings, dass  christliche Einwanderer oder Touristen im Orient die dortigen Regelungen achten und beachten. Der Westen hat da kein Vorrecht. Wem das nicht passt, der soll dort wegbleiben. Auch der Wille des Westens, Afghanistan gegen den Willen der dortigen Bevölkerung zu  “modernisieren”, kann demzufolge nicht kritiklos hingenommen werden.

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