Deutsch-Türkische Lebenswelten

In Deutschland leben ca. 2,7 Mill. Türken bzw. Deutschtürken. Die Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund entsprechen ca. 25 % der Gesamtheit. Eine neue Studie unter den befragten Türken  bzw. Türkischstämmigen in Deutschland (TiD) lässt gemischte Gefühle aufkommen.

Hier stichwortartig einige Ergebnisse:

In türkischen Haushalten lebt durchschnittlich eine Person mehr als in deutschen Haushalten. Dies lässt den Rückschluss auf größere Kinderfreudigkeit und -häufigkeit zu.

Rund 2/3 der TiD sind hier geboren, oder leben bereits länger als 30 Jahre in Deutschland. Dennoch bezeichnen nur 15 % Deutschland “eher” als Heimat, während fast 40 % die Türkei “eher” als Heimat angibt. Man kann somit feststellen, dass das Abstammungsland Türkei immer noch einen sozial-romantisch verklärten hohen Stellenwert besitzt. Der türlische Staat (Erdogan) und die türkisch-staatlichen DITIB-Moscheen haben sicherlich ihren Anteil an diesem unerfreulichen Gesamtbild.

Während bei älteren TiD eine Arbeitsaufnahme hier Grund für die Zuwanderung war, so ist es jetzt überwiegend die Eheschließung mit einem in Deutschland lebenden Partner. Auffällig hierbei ist erstens, dass junge Türken häufig eine anatolische Frau begehren und zweitens, dass diese Familienzusammenführung ganz überwiegend in Deutschland stattfindet. Offensichtlich werden trotz aller Türkeiliebe die hiesige Arbeitswelt und die soziale Absicherung als attraktiv angesehen. Dies wird auch durch die statistisch erhobene Feststellung, dass etwa 45 % eine Rückkehr in die Türkei planen, nicht widerlegt. Hier handelt es sich offenbar eher um Wunschdenken, denn tätsächlich sind die Rückkehrzahlen eher schwach.

Das Verhältnis TiD zu Deutschen ist zwiespältig Viele Türken fühlen sich von Deutschen wegen ihres Aussehens, ihrer Sprachdefizite, ihrer Bräuche oder ihrer Religion  schief angesehen, ohne dass die Ursachen dafür reflektiert werden. So gelten Türken in manchen Studien immer noch als die schlechtest integrierbare Zuwanderergruppe, was bei ihrer großen Quantität besondere Aufmerksamkeit und Abwehrmechanismen erklärt. Auch der türkische Staat tut viel, damit aus TiD keine Deutschen werden. Den Passdeutschen, die ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgegeben haben, bietet sie mit der Mavi Kart eine Ersatzlösung, die bis auf das Wahlrecht ansonsten alle Rechte der türkischen Staatsangehörigkeit bietet. Von den Beziehern von deutschen Transferleistungen haben 59 % eine solche Mavi Kart. Es ist zu vermuten, dass mit dem Kombimodell Mavi Kart + deutsche Sozialtransfers ziemlicher Missbrauch betrieben wird.

Das Festhalten an der türkischen Sprache als erstgelernte Sprache ist für 90 % der TiD sehr wichtig. Zwar bejahen etwa ebenso viele die Wichtigkeit des Deutschlernens (in Kita oder Schule), aber gerade die häufig vertretenen Familien aus bildungsfernen Schichten haben mit letzterer Umsetzung doch Schwierigkeiten, zumal sie ihr gesellschaftliches Leben überwiegend unter TiD führen.  So werden Integrationsdefizite gleich wieder in die nächste Generation vererbt.

Das Denken und Leben der TiD wird zunehmend von höherer Religiösität und konservativen und nationalen Einstellungen geprägt. Ganz überwiegend sind TiD  Anhänger der Erdogan-Partei AKP. Sehr bedenklich ist, dass 10 % der Befragten türkisch nationalistisch eingestellt sind. Das Thema wird in der deutschen Presse leider ziemlich vernachlässigt. Hier konzentriert sich die Berichterstattung weitgehend auf das zahlenmäßig kleinere Problem der Neonazis, während die Zusammenhänge zwischen diesen Aspekten kaum diskutiert werden.

Am Beispiel  “Homosexualität” lässt sich darlegen, dass unter TiD eine deutlicher Hang zu konservativen Rollenbildern und althergebrachten Vorstellungen besteht. So bezeichnen 51 % der Befragten Homosexualität als Krankheit. Etwa 26 % sind gegen gleichgeschlechtliche Ehen. 73 % lehnen eine homosexuelle Beziehung unter Männern ab.
Der Mann wird noch ganz stark als Oberhaupt der heterosexuellen Ehe und Familie gesehen. 70 % meinen, der Mann habe die Aufgabe, die Familie zu ernähren, 50 % meinen, dass berufstätige Mütter ihre Kinder vernachlässigen würden.

Leider unterscheidet die Studie bei der Aufbereitung des Materials nicht zwischen Türken und Kurden, obwohl wahrscheinlich deutliche Unterschiede zu erwarten wären.

Die gesamte Studie ist unter infogmbh.de nachzulesen.

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